Ideenfindung: Clustering

Clustering (nach Rico) ist eine kreative Arbeitstechnik, die auf einem gelenkten nicht-linearen Verfahren basiert. Assoziative Verfahren sind Kreativitätstechniken, die durch freie Gedankenverknüpfungen neue Ideen und Lösungen fördern. Im Gegensatz etwa zum freien Assoziieren wird als Ausgangspunkt ein bestimmter Begriff (konkret oder abstrakt) gewählt, um damit verbundene Gedanken aus dem Gedächtnis aufzurufen und bewusst zu machen, versucht also durch eine Aktualisierung von Vorwissen zu neuen Ideen. Clustering ist somit ein Verfahren des Brainstormings, eine Methode, spontane Einfälle und Assoziationen zu einem Thema graphisch festzuhalten. Sie hat sich gut bewährt zum Auffinden erster Ideen und Anreize. Viele Informationen, die Menschen aufnehmen, werden bildlich verarbeitet und sind durch das begriffliche Denken nicht unmittelbar abzurufen. Clustering macht solche Informationen und Erinnerungsinhalte zugänglich. Dabei kommen intuitive Ideenverknüpfungen und innere Zusammenhänge spontan zum Ausdruck. Gleichzeitig bilden sich von allein erste Strukturen heraus. Obwohl es Ähnlichkeiten mit der Methode des Mindmap gibt, unterscheidet sie sich vor allem in der Art der Arbeitsprozesse. Clustering und Mindmap werden beide zur Ideenfindung eingesetzt, sind assoziative Techniken und dienen dazu, spontane Einfälle zu einem Thema anzuregen und übersichtlich aufzuzeichnen. Durch die Nutzung von Bildhaftigkeit und Ganzheitlichkeit regen sie den Ideenfluss an und fördern das Erinnern. Beim Clustering geht es um eine Kurzschrift des bildlichen Denkens und ein Knüpfen von Ideennetzen, um das logische, auf Ordnung bedachte begriffliches Denken zu umgehen und in eine Welt des eher ziellosen Denkens einzutauchen. Beim Clustering liegt der Schwerpunkt auf der Ideenfindung und der assoziativen Verknüpfung von Ideen und Vorstellungen in Mustern. Beim Mindmap liegen die Ziele eher auf dem Gebiet der begrifflichen Ordnung von Einfällen, und einer begrifflichen Hierarchisierung von Begriffen bzw. Gesichtspunkten.

Einzel-Clustering

Das Einzel-Clustering beginnt mit einem leeren Blatt Papier. In der Mitte des Blattes wird ein Stichwort notiert, zu dem Ideen gesammelt werden sollen. Dieses Stichwort kann ein Begriff sein, der zum Thema passt, oder das Thema selbst, über das geschrieben werden soll. Das Stichwort wird eingerahmt, und die Aufmerksamkeit richtet sich darauf. Nach kurzem Schliessen der Augen werden alle Gedanken, Erinnerungen, inneren Bilder und Gefühle, die in den Sinn kommen, niedergeschrieben. Dabei erfolgt keine Bewertung oder Zensur; alles wird zugelassen.

Die Einfälle werden kreisförmig um das Ausgangsstichwort angeordnet. Auch diese Begriffe werden eingerahmt, und durch Verbindungslinien entstehen Assoziationsketten. Die Gedanken können einzeln, in Reihen oder Gruppen notiert werden. Es wird empfohlen, den Einfällen freien Lauf zu lassen und sich nicht von der Abfolge der Assoziationen einschränken zu lassen. Neue Reihenfolgen können jederzeit ergänzt werden, sobald sie auftauchen. Es ist nicht notwendig, Gedankenketten gezielt weiterzuführen oder die Einfälle auf Zusammenhang und Logik zu prüfen.

Gruppen-Clustering

Gruppen-Clustering kann in zahlreichen Unternehmenssituationen in der Gruppe durchgeführt werden, etwa beim Einstieg in ein Thema. Die Gruppengrösse sollte jedoch nicht mehr als 3-5 Personen umfassen, um einen überschaubaren Ideenfluss zu ermöglichen und die mehrmalige Beteiligung des Einzelnen zu sichern. In grösseren Gruppen mit mehr Mitgliedern sollte man verschiedene parallele Clustergruppen bilden. Für das Gruppen-Clustering sollte ein ausreichend grosses, unliniertes Papier (idealerweise mind. Format A3) gewählt bzw. in der Gruppe auf einem Poster oder einer Flipchart gearbeitet werden. Man schreibt den Kernbegriff oder den Kerngedanken in knapper Form in die Mitte des Blattes und rahmt diesen ein. Alle Assoziationen werden nacheinander rund um diesen Kern festgehalten und ebenfalls eingerahmt. Manche bilden eine Kette und können dann mit einer Linie verbunden werden. Dabei sollte man immer wieder das bisher Gesammelte betrachtet, um sich durch einen Überblick zu weiteren Einfällen anregen zu lassen und auch immer wieder zum Ausgangsbegriff zurückkehren und die Assoziation erneut beginnen. Die Dauer des Gruppen-Clustering hängt vom Ideenfluss der Teammitgliedern ab bzw. man begrenzt die Zeit auf 10 Minuten, um die Arbeit zu forcieren. Zwar fällt es Gruppen am Anfang erfahrungsgemäss nicht leicht, mit assoziativen Verfahren den Gedanken freien Lauf zu lassen, daher sollte diese Methode häufiger trainiert werden. Auch Einstimmungstechniken wie progressive Muskelentspannung oder autogenes Training können das Clustering erleichtern. (Stangl W., 2020 – Ideenfindung)