Ideenfindung: Brainstorming

Brainstorming – 1953 von Alex F. Osborn in den USA entwickelt – ist eine Gruppenaktivität, durch die zu einem vorgegebenen Thema Ideen oder Lösungsmöglichkeiten frei von Zwängen gefunden werden sollen. Durch Regeln sollen Barrieren abgebaut und kreatives Verhalten gefördert werden. Mit seiner Behauptung, dass Individuen, die in Gruppen brainstormen, mehr Ideen finden, als wenn sie allein arbeiten, hat Osborn (1953) ein umfangreiches Forschungsprogramm stimuliert. Allerdings ist diese Behauptung falsch, denn Kommunikation kann die Ideengenerierung zwar stimulieren, aber die durch das Zuhören verursachten Unterbrechungen der eigenen Denkarbeit führen zu grossen Beeinträchtigungen der Ideengenerierung, die den Stimulierungseffekt letztlich überschatten. Stimulierungseffekte sind nur in solchen Situationen nachweisbar, in denen eine Produktionsblockierung ausgeschaltet ist, z.B. beim elektronischen Brainstorming oder Brainwriting (vgl. Stroebe & Nijstadt 2004). Die Methode ist aber leicht zu erlernen, da man den Teilnehmern Sinn und Spielregeln rasch vermitteln kann. Es sind ausser Schreibutensilien keinerlei technische Hilfsmittel notwendig. In der Praxis wird häufig auch etwas als Brainstorming angekündigt, was eher eine freie Diskussion innerhalb einer Konferenz ist, insbesondere wenn der Brainstorming-Leiter, der in der Hierarchie am höchsten Stehende ist.

Aufbau der Methode
Die Gruppe muss einerseits genügend gross sein, um die erforderlichen gruppendynamischen Anreize zu schaffen, andererseits muss sie klein genug sein, um die Kommunikation von jedem mit jedem zu ermöglichen. Ob ein Gesprächsleiter nötig ist oder die Gruppe sich selbst organisiert, hängt von ihr ab. Falls ein Leiter bestimmt wird, so soll er nach Nimmergut (1975, 90f.)

  • überwachen, dass die Spielregeln eingehalten werden,
  • kurz in das Thema bzw. Problem einführen,
  • den Kommunikationsfluss durch unauffälliges Eingreifen aufrechterhalten und bei Abschweifen zum Thema zurückführen.

Folgende Rahmenbedingungen sind zu berücksichtigen:

  • eine vom Aktivitätsrhythmus her günstige Tageszeit ist wählen, meist zwischen 9 und 13 bzw. 16 und 20 Uhr,
  • der Zeitrahmen (ideal: 5 bis 30 min) ist festzulegen,
  • die ungestörte Äusserung muss jedem möglich sein und jegliche Kommentare, Korrekturen, Kritik und Bewertungen sind verboten.

Folgende Spielregeln sollten beachtet werden:

  • Alle Teilnehmer sollten ihr Wissen einbringen, auch wenn es für das Problem nicht relevant erscheint, denn es kann Assoziationen bei anderen wecken.
  • Einfälle der Teilnehmer dürfen nicht reglementiert werden.
  • Problemorientierung geht vor Lösungsorientierung, denn frühzeitiges «Einschiessen» auf eine Lösung erschwert das Auffinden von Alternativen.
  • Geringer Konsens kann fördernd auf das Hervorbringen neuer, innovativer Ideen wirken.
  • Die Ideenbewertung kommt nach der Sitzung, denn diese dient allein der Ideenfindung.
  • In hierarchisch strukturierten Gruppen mit Abhängigkeitsverhältnissen darf der Vorgesetzte, die von ihm vermutete oder favorisierte Lösung nicht äussern, denn die anderen schwenken sonst leicht darauf ein, anstatt innovativ und kreativ zu sein.
  • Quantität geht vor Qualität, denn es geht zunächst darum, Ideen zu produzieren.
  • Jeder Versuch einer Kritik oder Stellungnahme während der Sitzung soll vermieden oder aufgeschoben werden.
  • Es besteht kein individuelles Urheberrecht an Ideen, sondern ein kollektives, denn Kennzeichen des Brainstormings ist das Aufgreifen und Weiterspinnen von Ideen. Daher kann sich kein Beteiligter das Ergebnis oder Teile davon auf seine Fahne schreiben.

Zur Dokumentation der Ergebnisse ist ein Protokoll sinnvoll, wozu eine Person zu bestimmen ist, die nicht kreativ mitarbeitet. Die geäusserten Ideen werden nummeriert und anonym festgehalten. Alle Vorschläge sind zu protokollieren, es darf nicht durch Weglassen gewertet werden. Rückfragen des Protokollanten sollte vermieden werden, da sie den Ideenfluss stören. Eine zusätzliche Tonbandaufnahme ist möglich, um sicherzustellen, dass nichts untergeht. Das Protokoll wird entweder am Tisch zu Papier oder auf eine Tafel oder ein Flipchart gebracht. Brainstorming kann nur Rohmaterial liefern, das in einem zweiten Schritt strukturiert werden muss. Hier ist nun Kritik erlaubt und auch notwendig. Nachdem man ähnliche Ideen zusammengefasst hat, kann man z. B. nach Realisierbarkeit sortieren in: sofort realisierbar, später realisierbar, nach weiterer Bearbeitung realisierbar, nicht realisierbar. Den Abschluss der Auswertung stellt eine Liste mit Vorschlägen dar (Stangl W., 2020 – Ideenfindung).