Kofferraum-Logistik

Unter dem Begriff versteht man Methoden und Techniken um die Auslieferung von Produkten an den Endkonsumenten über den Auto-Kofferraum abzuwickeln.
Siehe auch Logistik.

 

Detailerklärung zu Kofferraumlogistik
Das Auto wird Teil der Lieferkette: Mit einer sogenannten «Kofferraumlogistik» soll sich der Empfänger sein Paket direkt ins Auto liefern lassen. Das Fahrzeug wird damit Teil der Logistikkette. Die dafür notwendige Informations- und Kommunikationstechnologie existiert bereits heute standardmässig. Es handelt sich um die Technologie von GPS, Internet, Smartphone sowie des sicheren mobilen Identity- und Access-Managements. Das Auto ist mittlerweile ohnehin so etwas wie ein fahrbarer Computer und viele Modelle sind heute schon per Machine-to-Machine-Kommunikation ständig mit dem Internet verbunden. Die Kofferraumlogistik ermöglicht eine einfache, schnelle und sichere Paketzustellung. Die Kofferraumlogistik funktioniert so, dass der Zusteller den Barcode auf dem Paket scannt, dies führt dazu, dass der Empfänger verständigt wird, der dann die Freigabe für seinen Kofferraum aktiviert. Danach sendet das vernetzte Auto seine GPS-Daten an den Logistiker, der es in seine Routenplanung aufnehmen kann. Beim Fahrzeug angekommen, wird ein QR-Code, der hinter der Heckscheibe angebracht ist, gescannt und das Fahrzeug identifiziert. Über ein hochsicheres Identifikations- und Berechtigungssystem wird nun geprüft, ob der Zusteller zur entsprechenden Zeit auf das angefragte Fahrzeug Zugriff erhalten darf. Diese Zugriffsberechtigung ist einmalig. Wenn die Berechtigung gegeben ist, wird der Kofferraum durch das Berechtigungssystem freigegeben, bzw. entriegelt, der Zusteller legt das Paket ab und verschliesst das Auto wieder. Die mobile Identity- und Access-Lösung stellt sicher, dass nur ein autorisierter Zusteller das Fahrzeug öffnen kann. Sie protokolliert den Zustellungsprozess inklusive Öffnen und Schliessen des Kofferraums. Der Endkunde wird per SMS oder App über die Lieferung informiert.

Dieses Konzept ist ausgereift und bereits vielfach erprobt, so u.a. von Amazon und Zalando in Deutschland. Einige Autohersteller (u.a. Audi oder Volvo) haben dedizierte Kofferraumlogistik-Lösungen entwickelt. Doch sie konnten sich bis anhin nicht auf eine standardisierte Schnittstelle für das Öffnen und Schliessen einigen. Daher hat die deutsche T-Systems ein markenunabhängiges System auf den Markt gebracht. Damit können sich Autos der verschiedensten Hersteller nachrüsten lassen. Die offene Plattform hält auch Chancen bereit, dass weitere Serviceanbieter mit ihren Mehrwertdiensten aufspringen könnten.

Der Autohersteller Smart baut diesen Service der Kofferraumlogistik als erster grosser Autohersteller aus. Seit dem Sommer 2016 können die meisten Besitzer des Kleinwagens in den grösseren deutschen Städten und Agglomerationen diesen Service nutzen. Bei einer Online-Bestellung oder auch bei einer Retouren-Lieferung kann der Smart-Fahrer neu seinen Wagen als Empfänger- oder Abholadresse angeben, dies gilt für die meisten Online-Händler, wie Amazon oder Zalando.

Die Kofferraumlogistik bietet allen Beteiligten nur Vorteile. Der Besteller erhält seine Ware direkt ins Auto und muss sich nicht um Termine, Lieferungs- oder Öffnungszeiten kümmern, der Zusteller fährt nicht mehr umsonst und der Händler hat zufriedenere Kunden. Denkbar sind viele weitere Anwendungsmöglichkeiten für das System, wie z.B. Reparatur- oder sonstige Servicearbeiten, welche auf diese Weise orts- und terminunabhängiger durchgeführt werden können. Nach dem Vorbild von Uber ist es vorstellbar, dass z.B. Private die Funktion des Zustellers übernehmen. Das Smartphone als Schlüssel- und Ticketersatz ist ohnehin etabliert, zum Beispiel bei Reisen mit der Bahn oder im Flugzeug. Die Kombination von Smartphone und vernetztem Auto dürfte somit ebenfalls die Phantasie der Dienstleister bei der Entwicklung neuer Kundenservices anregen.

Link: Deutsche Smarts werden zu mobilen Briefkästen

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