Firmen und Staaten werden durch die Digitalisierung überflüssig!

Autor: Alexander Disler

Mit dieser von mir sehr provokativ formulierten Feststellung möchte ich Sie aufwecken, denn immer mehr Dienste werden über Apps angeboten und vermittelt. Mit der Digitalisierung wird eine körnige (granulare) Wirtschaft und Gesellschaft entstehen. Damit ist eine Aufsplittung der heutigen volkswirtschaftlichen Strukturen zu verstehen. Heutige Apps vermitteln bereits Putzfachkräfte & Zügelleute (jacando), Gartenhelfer, Maler und Gipser (Expertado), Taxifahrer (UBER, MyTaxi), Personalvermittler (jobs, alpha, rentarentner), Betten in Privathäusern (couchsurfing, Airbnb) usw.
Viele Studien, Experten und Trendforscher bestätigen, dass es mit der Digitalisierung zu deutlich mehr Selbstständigkeit als Arbeitsform kommen wird. Wenn nun all diese Selbständigen als Einzelunternehmer (Micro-Unternehmer) durch solche APP’s gefunden, vermittelt und bezahlt werden, dann wird die Volkswirtschaft körnig, eben granular. Man bezeichnet dies auch als Gig Economy.

Cyber-Physische Systeme
Cyber-Physische Systeme / E-Plattformen / Sharing Economy

Aber weshalb werden immer mehr Menschen selbständig, welches ist der Treiber hinter dieser Entwicklung? Es sind die reduzierten und vermiedenen Transaktionskosten. Unter Transaktionskosten versteht man die Gemeinkosten der innerbetrieblichen Hierarchie zur notwendigen Leistungserstellung. Die APP’s sind nun das Unternehmen: ohne Administration, ohne Buchhaltung, oder eben ohne sogenannten „Wasserkopf“. In den westlichen Industrienationen bestehen die Volkswirtschaften zu über 70 % aus Dienstleistungs-Betrieben (Schweiz: primärer Sektor: 0.7 % (Landwirtschaft), sekundärer Sektor: 25.5 % (Industrie), tertiärer Sektor: 73.8 % (Dienstleistung); Zahlen BFS 2015).
In grösseren Unternehmen wird zudem sicherlich bis zu 20 % der Arbeitszeit für (nutzlose) Meetings, Hierarchiekämpfe und Raucherpausen verwendet. Da wirken diese neuen Cyper Physischen Plattformen wie eine Revolution, denn via App vermitteln Selbständige ihre Arbeitskraft ohne Totzeit und Wasserkopf. Ohne diese Transaktionskosten sind die entsprechenden Produkte/Leistungen deutlich preisgünstiger, als sie die bisherigen Marktteilnehmer anbieten können. Die bisherigen Marktteilnehmer kommen so unter Zugzwang. Als Beispiel seien hier nur die beiden Taxi-App’s UBER und MyTaxi angefügt. Beide APP’s bringen die bestehende Branchenstruktur massiv unter Druck. Ein UBER-Fahrer muss keine Taxiprüfung ablegen, er bezahlt auch nicht für einen Standplatz Gebühren, ebenso wenig wird eine Taxizentrale gebraucht. Mit einem Auto, einem Navigationsgerät und der App von UBER ist man bereits im Geschäft. Übrigens: Neben den Taxifahrern kommen nun auch Autovermieter unter Druck. Vermehrt nutzen Geschäftsleute inzwischen UBER oder andere Fahrdienste, anstatt sich ein Auto zu mieten. Eine Erhebung von Bloomberg aus dem Jahr 2016 für Nordamerika zeigt, dass die Ausgaben für Mietautos in den letzten 2 Jahren um 15% gesunken sind. Der Rückgang bei den Autovermietern ist aktuell noch nicht so gross wie bei den Taxifahrern. Eine weitere Erhebung für die Schweiz zeigt, dass der UBER-Nutzer zwischen 30 und 40 % günstiger fährt als mit einem herkömmlichen Taxibetrieb.
Das bestehende Taxigewerbe ist heute in einem ausgeprägten regulierten Bereich tätig. Die neuen Dienste und Angebote brechen das bestehende Geschäftsmodell auf. Zudem haben sich im bestehenden Geschäft auch Missstände durch die (gesetzgeberische) Regulierung ergeben, so werden Taxikunden auf Kurzstrecken nicht befördert, die Preise sind (kartellmässig) abgesprochen und taxiert, Fahrzeuge sind teilweise veraltet, Taxi-Chauffeure können teilweise sehr unfreundlich sein usw. In geografischen Gebieten, in denen UBER aktiv ist, sind die Umsätze der regulären Taxibetriebe um über 30 % zurückgegangen. Von UBER-Kunden weiss man, dass sie UBER bevorzugen, weil die UBER-Taxis sauberer seien, freundliche Fahrer hätten (welche auch interessantere Gespräch führten), neuere Fahrzeuge benützten, Zusatzleistungen (wie Bonbons, Wasser etc.) anböten usw.

Transaktionkosten / Blockchain
Grafische Darstellung der Transaktionskosten im Bankensektor
www.adigiconsult.ch

Eine Reduktion der Transaktionskosten ist in den meisten Branchen möglich, so beispielsweise auch in der Finanzbranche. Bitcoin ist ein entsprechender Ansatz, der die ganze heutige Finanzbranche in Frage stellt. Auf Grund der Verwerfungen, auch auf Grund der Finanzkrise von 2008, und der neuen Konkurrenz der FinTech-Unternehmen hinterfragen immer mehr Menschen die Rolle der Banken im Finanzsystem. Mit der Nullzins- bzw. Negativzins-Politik von verschiedenen Nationalbanken wird sich die Diskussionen weiter verschärfen. Bitcoin bietet eine echte Alternative zum heutigen Geldsystem an, mittels Blockchain sind die entsprechenden Eigentumsverhältnisse, die Rückverfolgbarkeit und auch die anonyme Aufbewahrung der Transaktionswährung sichergestellt. Seit dem 1. Juli 2016 akzeptiert die Stadt Zug als erste Behörde Bitcoin als Zahlungsmittel. Damit schreibt Zug international Geschichte. Gebühren bis zu CHF 200.- lassen sich so im Pilotprojekt neu mit Bitcoin bezahlen.
Die Transaktionskosten bei Bitcoin sind deutlich tiefer und bieten gegenüber den bisherigen Geschäftsmodellen finanzielle Vorteile, so benötigt man keine Bankverbindungen mit den entsprechenden Gebühren (Kontoführungsgebühren, Kartengebühren etc.) mehr. Ausserdem löst man sich auch von den bestehenden Zinsstrukturen (Guthaben- und Kreditzinsen).
Siehe auch Blog-Beitrag: Funktionsweise von Blockchain (Krypto-Währung)

Die Digitalisierung führt bei den beschriebenen Modellen zu einer günstigeren Volkswirtschaft, der Kunde und auch der Selbständige profitieren. Die bestehenden Unternehmen hingegen kommen massiv unter Druck, ausser, wenn sie dem Kunden einen echten Mehrwert bieten können.
Diese granulare Wirtschaft, welche im Entstehen ist, schafft auch für den einzelnen Staat Änderungen. Die Mehrwertsteuer muss möglicherweise auf ein anderes Fundament gestellt werden, denn Selbständige profitieren im aktuellen System von Freibeträgen, was auch für Sozialversicherungen gilt. In der alten Industriegesellschaft mit den vielen regulär Angestellten wurden all diese Beträge ordentlich, effizient und pünktlich durch die Arbeitgeber abgerechnet. Selbständige jedoch sind möglicherweise gar nicht versichert, bzw. gehören nicht zu den versicherten Personen, so. z.B. bei der Arbeitslosenversicherung. Selbständige werden den Sozialstaat wahrscheinlich auch weniger für Leistungen beanspruchen, so entfallen z.B. Berufsbewilligungen und Diplomanforderungen. Die heutigen Staaten reagieren mit Verboten, Gerichten und Kontrollen gegen diese neue Welt der APP’s und der Digitalisierung. Die Spannungen zwischen der «alten» und der «neuen» Welt werden sicherlich steigen – die neue Welt mit den APP’s (und den Cyper Physischen Plattformen (siehe auch Blog-Betrag: Der Weg der Digitalisierung)), ihre Freiheiten und ihre geringen Kontrollmöglichkeiten (keine oder wenige Regulierungen) gegenüber der alten Welt, aufgebaut aus Staaten mit Regeln, Vorschriften, Transparenz und einer zentralen (staatlichen) Datensammlung aller geleisteten Arbeiten. Zum jetzigen Zeitpunkt ist es noch schwierig abzuschätzen, wie und wohin sich dies alles letztlich bewegen wird.

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