Bauindustrie und Digitalisierung?

Autor: Alexander Disler

Aktuell ist die Digitalisierung vor allem beim Handel oder der Industrie im Gespräch. In der Bauindustrie sind erste sanfte Anzeichen dieser anstehenden digitalen Transformation spürbar. Die Bauindustrie wurde von dieser Bewegung noch nicht erfasst. Dies zeigt auch die nachstehende Studie und Grafik von Deloitte. Sie zeigt die verschiedenen Branchen auf dem Weg zur digitalen Transformation und in welchem Stadium sich die entsprechende Branche befindet.

Digitalisierung pro Branche
Aktueller Stand der Digitalisierung pro ausgewählter Branche, 23.02.2017
www.adigiconsult.ch

Die Studie wurde für Australien erstellt und visualisiert auch den aktuellen Stand der Bauindustrie. Als Fazit lässt sich festhalten, dass jede einzelne Branche über kurz oder lang von der Digitalisierung betroffen sein wird. Aus der Grafik lässt sich auch ableiten, mit welcher Intensität und in welchem ungefähren Zeitraum die entsprechende Branche durch die Transformation betroffen sein wird.

Durch die Digitalisierung sind enorme Veränderungen zu erwarten. Zieht man andere Branchen als Beispiele heran, zeigt es sich, dass die digitalen Geschäftsmodelle in der Regel deutlich kunden- und marktorientierter sind. Dies bedeutet, die digitalen Geschäftsmodelle sind produktiver (Reduktion der Transaktionskosten) und näher am Kundennutzen (es werden zusätzliche Werte geschaffen – siehe auch Value Innovation). Zudem weisen diese Modelle vielfach einen disruptiven Ansatz auf. Auf die Bauindustrie wird dies sicherlich auch zutreffen, da die heutigen Produkte und Leistungen (Arbeit) vielfach über x Absatzstufen zum Bauherren (Endkonsument) gelangen. Es ist davon auszugehen, dass bisherige Geschäftsmodelle komplett vom Markt verdrängt werden.
Die heutige Situation in der Bauindustrie, unabhängig von den erbrachten Leistungen und Produkten, ist geprägt von einem niedrigen technologischen Standard mit geringen Markteintrittsbarrieren für den Lowtec- und Billigsegment-Bereich, geringen Margen (trotz aktuell noch hohen Umsätzen) und dem deutlichen Anzeichen einer «Blase». Die Blasenbildung im Immobiliensektor ist der rekordtiefen Zinsstruktur und der hohen Netto-Wanderungsbewegung in die Schweiz geschuldet. Die digitale Transformation kommt da nun noch als weiteres Element hinzu. Das Risiko ist unter diesen Umständen sehr ausgeprägt.

In der Bauindustrie haben viele Marktteilnehmer nach wie vor das Gefühl, dass aufgrund der handwerklich orientierten Leistungserstellung eine digitale Transformation nicht möglich ist. Entsprechende Rand-Nischen können möglicherweise mit bestehenden Geschäftsmodellen abgedeckt werden, dies werden aber Nischen sein und nicht das Hauptgeschäft beinhalten.

Für jedes bestehende Geschäftsmodell lässt sich eine «digitale Bedrohung» finden, dies auch im Renovations-Business.

Gemäss einer aktuellen Studie der IHK Stuttgart ist die Bedrohung bestehender Geschäftsmodelle durch die digitale Transformation viel grösser als das Risiko, in digitale Geschäftsmodelle einzusteigen. Auch hier zeigt sich: Stillstand und Abwarten sind gleichbedeutend mit Rückschritt.

Viele Bauunternehmen sind jedoch nicht allein in der Lage, diese Aufgabe anzupacken, weil einerseits das entsprechende Fachwissen fehlt, die Kapitalisierung schwierig wird oder die notwendige Sensibilisierung nicht gegeben ist.

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