6 Treiber der Digitalisierung

Autor: Alexander Disler

Wenn Sie Ihren Blick etwas in die Vergangenheit der letzten 25 Jahre richten, werden Sie sehr schnell feststellen, dass die Digitalisierung unglaubliche Fortschritte und Veränderungen im gesamten Wirtschaftsleben bewirkt hat. Diese Entwicklung wird sich so fortsetzen, ja sogar beschleunigen.

6 dominante Treiber der Digitalisierung

Deshalb ist es auch interessant zu wissen, welches die Treiber und Trends, hinter dieser mächtigen Bewegung der Digitalisierung, sind. Und versteht man diese Treiber besser, so besteht die Möglichkeit, diese Bewegungen für sein eigenes Unternehmen und Geschäft gezielt einzusetzen. Nachstehend werden sechs Treiber (oder auch Trends) näher erläutert, welche aus meiner persönlichen Sicht eine dominante Rolle spielen.

Aber es sind nicht nur diese sechs Treiber, die die Digitalisierung befeuern, sondern es gibt noch eine Fülle von weiteren Treiber, bzw. von Trends und Megatrends.

Siehe auch Blogbeitrag: 16 Megatrends der Schweiz im 2018

aktuelle Megatrends
Megatrends, 2016
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Megatrends sind ebenso ein Treiber der Innovation wie auch der Veränderung. Aus diesem Grund sollte man die grossen Megatrends zur eigenen Branche und zum eigenen Unternehmen berücksichtigen. Möglicherweise ist man firmenintern der Ansicht, dass diese Trends keinen oder nur geringen Einfluss auf das eigene Geschäft ausüben. Dem möchte ich hier deutlich widersprechen. Alle diese Megatrends, auch wenn sie aus aktueller Sicht langsam verlaufen, nehmen Einfluss. Die heutigen bestehenden Märkte sind ins Alter gekommen. Es herrscht ein Verdrängungskampf über den Preis, vergleichbare Marken und Produkte/Leistungen – Unternehmen umwerben die gleichen Zielgruppen immer aggressiver (und mit immer schwächeren Werbebotschaften). Megatrends sind auch absehbare Entwicklungen, wie beispielsweise die immer älter werdende Gesellschaft (Demografie). Dies verändert bestehende Märkte sehr umfassend, wie z.B. das Konsumverhalten der fitten Senioren im Ferienmarkt oder Schiffsreisen (welche Sicherheit und Einfachheit versprechen). Veränderungen bedeuten aber auch Chancen, diese müssen erkannt und entsprechende Leistungen entwickelt werden.

Nachfolgend noch einige weitere Trends und damit Treiber, welche die Digitalisierung stark beeinflussen:

Fast            =  Schnelligkeit

Urban        =  Städtisch, Kommunal

Tribal         =  Zugehörigkeitsgefühl

Radical      =  Radikal, drastisch, entscheidend

Ethical       =  Ethisch, moralisch, sittlich

Universal  =  Weltweit, allgemein

 

6 Treiber der Digitalisierung

Übersicht / Grafik Logo der 6 Treiber der Digitalisierung

Zurück zu den sechs dominanten Treiber der Digitalisierung, welche nun nachstehend etwas umfassender erläutert werden:

Treiber der digitalen Transformation:

Globalisierung

Unter Globalisierung versteht man die zunehmende weltweite Verflechtung von Wirtschaft, Politik, Kultur und Umwelt. Es handelt sich also um einen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Vorgang, dessen Kern der weltweite Austausch von Produkten, Ressourcen, Technologie und Kapital ist.

Besonders ausgeprägt ist die Globalisierung in den Bereichen:

  • Wachstum des Warenhandels
  • Vernetzung der Finanzmärkte
  • Technischer Fortschritt (Internet, Smartphone)
  • Wachstum der ausländischen Direktinvestitionen
  • Zunahme von Global Player (Transnationale Konzerne)

Die Globalisierung befeuert die Agilität in allen Bereichen einer Volkswirtschaft:

  • Einerseits holen Schwellen- und Entwicklungsländer gegenüber den etablierten Industrienationen auf (BRIC-Staaten, Next Eleven-Staaten)
  • Andererseits verdrängen sie als junge, innovative Länder führende Industrienationen von ihren angestammten Plätzen -> «Kontinentaldrift». Dabei spielt das genutzte Potential der digitalen Transformation eine wichtige Rolle.
  • Die junge Bevölkerung in allen Ländern hat die Relevanz des digitalen Wandels erkannt und treibt die Entwicklung durch ihr Verhalten massiv voran.
  • Ein Aufstieg von Schwellen- und Entwicklungsländer bedeutet gleichzeitig den Abstieg der führenden Industrienationen.

 

 

Treiber der digitalen Transformation:

New Economy

Unter dem Begriff New Economy versteht man den Wechsel von einer Wirtschaftsweise, die auf Warenproduktion ausgerichtet ist, auf eine, die auf Dienstleistungen, insbesondere webbasierte Dienste, ausgerichtet ist.

Startup-Mentalität
In der New Economy (siehe auch Blog-Beitrag: New Economy 4.0) ist eine Startup-Mentalität von Nöten. Start-ups bringen meistens die folgenden Eigenschaften mit:

  • systematische Vorgehensweise und Risikofreudigkeit
  • Ehrgeiz und verrückte Ideen
  • Durchhaltevermögen und unermüdlicher Einsatz für das Business
  • Passion und Kundenfokus

Die Unternehmenskultur ist geprägt von der Besorgnis eine Chance zu verpassen, als die Angst vor dem Scheitern der Idee.

Dabei stellt sich die Frage, haben die Schweizer Unternehmen eine ausreichende Startup-Gründermentalität? Denn zeichnen sich nicht gerade die Schweizer-Unternehmen durch eine hohe Stabilität und durch

  • Risikominimierung
  • Sicherheit
  • Zuwarten oder Trägheit
  • Bürokratismus
  • oder gar zu Skepsis gegenüber Innovationen aus?

Die Gefahr ist nicht unerheblich, dass dadurch Unternehmen und ganze Branche den digitalen Wandel verkennen. Die digitale Transformation vollzieht sich in einem dramatischen Tempo.

Investitionen
Ein weiteres Merkmal und Treiber der digitalen Transformation ist, dass hohe Investitionen in neue unterschiedliche Technologien getätigt werden. Investitionen sind aufgrund des billigen Geldes (Tiefzinsphase an den Kapitalmärkten) relativ einfach vorzunehmen, dadurch beschleunigt sich die Innovations- und Entwicklungstätigkeit massiv.
Diese Beschleunigung des Entwicklungszyklus führt vermehrt in den verschiedensten Branchen zu abrupten Umwälzungen von einem disrupten Ausmass.

 

Treiber der digitalen Transformation:

Internet der Dinge

Das Internet der Dinge (IoT) verbindet physisch und virtuell «intelligente Gegenstände» (smarte Geräte). Mittels der globalen Infrastruktur des Internets sind die smarten Geräte miteinander vernetzt und tauschen unabhängig Informationen aus.
Merkmale:

  • Starkes Wachstum, bis 2022 ca. 14 Mrd. Geräte (Quelle: Machina Research)
  • Gegenstände sind: Sensoren, Aktoren, Software-Agenten und der «Mensch»
  • selbständige und ständige Interaktion mit dem Internet
  • Nutzen ist: Effizienzsteigerung, Kostensenkung und bessere Ressourcen-nutzung
  • Kunden profitiert durch: höhere Lebensqualität, mehr Komfort, Sicherheit und Spass

Im IoT ist auch die Machine to Machine (M2M)-Funktion verankert.

Darstellung der unterschiedlichen Integrationsstufen der digitalen Transformation
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Treiber der digitalen Transformation:

Big Data

Mittlerweile gibt es weltweit Massen an Daten, Speicherkapazitäten werden immer preisgünstiger. Daten werden einfacher verarbeitet und analysiert. Das beinhaltet einen grossen Mehrwert für die Wirtschaft. Die Daten können gezielt analysiert und extrahiert werden, um Kundenwünsche schnell zu erkennen und gezielt zu handeln – aus «Big Data» oder «Data Lake» wird «Smart Data».

Vorteile der digitalen Daten und Informationen:

  • einfache Erfassung, Speicherung, Nutzung, Verarbeitung, Analyse, Suche, Verteilung, Vervielfältigung und Wiedergabe in elektronischen Prozessen oder Systemen
  • wenig Platzbedarf (Big Data)
  • einfache Archivierung
  • Kostengünstig

Aber auch einige Nachteile:

  • Qualitätsverlust (z.B. der Scann-Vorgang eines Bildes)
  • die einfache Kopiermöglichkeiten (Vervielfältigung) ermöglicht Missbrauch
  • einmal erfasste Daten in einem System sind nur sehr schlecht zu korrigieren, zu ändern oder gar zu löschen.
  • Fehlerhafte Daten und Datensätze

Aufgrund von Big Data und deren Resultate lassen sich Vorhersagen treffen, wie Verbrechen erkennen, Krankheitsbilder bestimmen oder auch die erwartete Kaufmenge prognostizieren. Mit Big Data haben wir die Basis geschaffen um teilweise in die Zukunft sehen zu können.

Beispielweise mit der RFM-Methode lassen sich gute zukünftige Abverkäufe hervorsagen.

 

Treiber der digitalen Transformation:

Kunden

Das Konsum- und Kaufverhalten verändert sich massiv.

Die Menschen und Konsumenten heutzutage sind permanent bereit dazu, Neues auszuprobieren und mit disruptiven Ideen und Geschäftsmodellen zu arbeiten. Die Veränderung ist nur vordergründig technologischer Natur. Der grosse Wechsel findet vor allem im sozialen Bereich statt.

Konsum und Kaufverhalten
Das Konsum- und Kaufverhalten verändert sich durch die Digitalisierung Copyright by adigiconsult GmbH

Denn wie Menschen leben, arbeiten und zueinander in Beziehung stehen, verändert sich fundamental. Die Nutzer treiben die Digitalisierung voran, indem sie neue Anforderungen an Kauf-Erlebnisse und Transparenz einfordern. Die Unternehmen sind gefordert, dem Kunden die gewünschten Hilfsmittel zur Verfügung zu stellen. Somit wird jedes Unternehmen über kurz oder lang auf die Digitalisierung und die Verarbeitung von Daten mit Hilfe von Algorithmen umschwenken müssen.

Die Unternehmen werden zu den Getriebenen der Nutzer und Konsumenten.

Gründe/Funktionsweise der disruptiven Transformation
Treiber der Veränderung des Kundenverhaltens bei der digitalen/disruptiven Transformation
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Die Konsumenten bestimmen diese Entwicklung sehr stark mit, in der Art der nachgefragten Leistungen, wie auch an der Geschwindigkeit von neuen, noch umfassenderen Lösungen und Services. Diese Dynamik wird wellenartig durch die Branchen rollen.
Das veränderte Einkaufsverhalten mittels Online-Shops ist hierzu ein gutes Beispiel:

Grafik Top 10 Online-Shops Schweiz 2017
Grafische Umsatz-Darstellung der Top 10 Online-Shops Schweiz 2017 Copyright: Statista/EHI- E-Commerce Markt Österreich/Schweiz 2018

Keine Branche wird davon ausgeschlossen sein, denn der Kunde ist nicht nur als Privatkunde im B2C (= Business-to-Consumer) aktiv, er arbeitet auch in einem Unternehmen und ist dort als Firmenkunde im B2B (=Business-to-Business) tätig. Man kann davon ausgehen, dass Leistungen, Entwicklungen, Services oder Anwendungssoftwares aus dem privaten Bereich in den gesamten Geschäftsbereich hinüberschwappen. Dies mit einer zeitlichen Verzögerung.

 

Treiber der digitalen Transformation:

Transaktionskosten

Transaktionskosten sind diejenigen Kosten, die durch die Benutzung des Marktes, also im Zusammenhang mit der Transaktion von Verfügungsrechten (z. B. Kauf, Verkauf, Miete), oder einer innerbetrieblichen Hierarchie entstehen.

Bild Distributionspolitik Hierarchie
Grafische Darstellung der Distributionspolitik und der Hierarchie
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Durch die vorhandene Aufbau- und Ablauforganisation, sowie die gewählten Absatzmittler (Distributionsstrategie und -politik) der Unternehmen werden Kosten generiert, welche direkten Einfluss auf den Verkaufspreis haben.

Transaktionkosten / Blockchain
Grafische Darstellung der Transaktionskosten
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Disruptive Ansätze beinhalten immer eine Reduktion von Absatzmittlern, Vereinfachung von Abläufen/ Prozessen und einer Fokussierung auf die echten Kundenbedürfnisse.
Durch diese Reduktion von Leistungen und Partner, kann die Leistung im Markt deutlich kostengünstiger und damit auch erfolgreicher angeboten werden.
Das entsprechende Unternehmen besitzt einen echten Mehrwert gegenüber den Mitbewerbern.

 

 

Bild Fazit Logo Treiber der digitalen Transformation:

Fazit

Aus diesen Treiber und Trends lassen sich die folgenden Schlussfolgerungen ziehen.

Kundenorientierung

oder im digitalen Zeitalter gibt der Kunde das Tempo vor

Im letzten Jahrhundert mit der Industrialisierung und der Entwicklung hin zur Konsumgesellschaft gewann der Kunde und Konsument immer mehr an Bedeutung.

Zur Zeiten der Industrialisierung war es wichtig, eine Fabrik zu besitzen, denn damals waren die Produkte noch «wirtschaftlich» knapp und konnten den Konsumenten von den Fabrikbesitzern zugeteilt werden. Als Fabrikbesitzer konnte man bald nicht mehr  genügend nachgefragte Güter produzieren und so wurde es möglich, überdurchschnittliche Preise zu realisieren.

Bild Grafik Kundenorientierung
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Mit dem Übergang zur Konsumgesellschaft erhielt der Kunde und Konsument immer mehr Macht. Nun hiess die Losung «es ist besser, einen Markt zu haben, als eine Fabrik» (Peter Drucker – USA Ökonom). Marketing wurde in dieser Zeit ein Muss für alle Unternehmen, klassische und nichtklassische Werbung boomte, Marken und die Identifikation von Produkten wurden wichtig, auf einen Nenner gebracht: der «Kunde wurde König».
Mit der Digitalisierung wird diese Bewegung nochmals einen mächtigen Schub erhalten. Die heutigen Kunden und Konsumenten sind wählerischer, warten länger bis zum Kaufentscheid zu, dafür wollen sie nach dem Kauf die erworbene Leistung unmittelbar verwenden können. Eine Lieferverzögerung wird nicht akzeptiert. In der individualisierten Gesellschaft vertraut man den Werbebotschaften und den Produktebeschrieben schon lange nicht mehr, vielmehr schenkt man sein Vertrauen der Rezension eines unbekannten Autors (und Konsumenten). Man tauscht sich innerhalb Millisekunden untereinander aus, holt sich die Informationen aus dem Internet und den sozialen Medien (Facebook, Twitter etc.) und ist nicht gewillt, mehr als nötig für das Produkt oder die Dienstleistung zu bezahlen. Dies stellt nun nicht nur die Hersteller (Fabrikanten), sondern auch den Handel vor ganz neue Herausforderungen. Es dreht sich alles nur noch um den Kunden. Der Kunde gibt neu auch die Produktqualität, die Produktverfügbarkeit, den Kauf-Ort (offline im Laden, online im Internet), die Preishöhe (Auktionsplattformen, E-Shops etc.), den Kaufzeitpunkt (24-Stunden-Gesellschaft) etc. vor.

Markentwicklung

Bild Fazit Geschwindigkeit

Die Schnellen gewinnen vor den Langsamen; nicht unbedingt die Grossen vor den Kleinen.

Vernetzung

Alles und jedes wird miteinander verbunden – IoT.

 

Kollaboration

Neue (vormals nicht vorstellbare) vertikale, wie horizontale Geschäftsbeziehungen werden entstehen.

Komplexität

die bestehenden Märkte werden komplexer und unübersichtlicher, z.B. beim Preis, bei der Leistung, bei den Abläufen oder in der Analyse der richtigen Daten.

Siehe auch Blog-Beitrag: Die 16 Megatrends der Schweiz im 2018

 

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